Am westlichen Ortsende von Mühlhausen in Richtung Ehingen/Engen stand einst neben der Zehntscheuer des Domkapitels Reichenau eine dem heiligen Cyriakus geweihte Kapelle. Sie wird bereits im 10. Jahrhundert in der Nähe des Kellhofes erwähnt. Im Jahr 1472 ist sie erneut belegt und wurde häufig als Dorfpatronatskapelle bezeichnet.
Aufgrund der räumlichen Enge wurde die Kapelle 1711 abgebrochen und auf den alten Fundamenten neu errichtet. 1713 erhielt sie das Patrozinium des heiligen Josef und wurde zur St. Josefskapelle. Seitdem wurde das Gotteshaus immer wieder renoviert und erneuert, zuletzt im Jahr 2003.
Die Kapelle ist im spätbarocken Stil erbaut. Charakteristisch sind die großen ovalen, rundbogigen Fenster und der dreiseitig geschlossene Altarraum. Der ursprüngliche Eingang befand sich an der Südseite unter einem ovalen Fenster; später wurde er an die Giebelfront verlegt.
Das Gebäude trägt ein Satteldach mit einem quadratischen Dachreiter und geschweifter Haube. Bekrönt wird dieser von einem Doppelkreuz (Patriarchenkreuz). Dieses sogenannte Erzbischofskreuz leitet sich vom lateinischen Kreuz ab. Der obere, kürzere Querbalken erinnert an die Inschrift „INRI“ am Kreuz Jesu Christi und verweist zugleich auf die frühere Zugehörigkeit zum Kloster Reichenau.
Die Glocken
Zwei Glocken rufen heute zu den Gottesdiensten. Eine der Glocken wurde während des Zweiten Weltkriegs von 1941 bis 1953 in der Schlatter Filialkirche eingesetzt, nachdem deren Glocke 1942 zwangsweise abgegeben werden musste. 1953 kehrte sie nach Mühlhausen zurück.
Eine weitere Glocke stiftete Pfarrer Riesterer im Jahr 1964 zu Ehren der heiligen Theresia vom Kinde Jesu.
Die beiden Ortsteile Lebern („Krähen“) und Wieden („Mägdeberg“) wuchsen erst nach dem Dreißigjährigen Krieg allmählich zusammen. Bis heute sind sie durch die Schmiedstraße voneinander getrennt. Diese Trennlinie bestimmte früher auch, welche Glocke als Totenglöcklein für den jeweiligen Ortsteil geläutet wurde.
Das Innere der Kapelle
Der Innenraum wird durch eine Chorbogenwand mit einem weiten Bogen in Langhaus und Altarraum gegliedert. Im dreiseitig geschlossenen Altarraum befinden sich Wandpfeiler mit Kämpfern.
Besonders eindrucksvoll ist der spätbarocke Hochaltar mit marmorierten Säulen, der zu der reicheren Ausstattung der Kapelle gehört. Die beiden Seitenaltäre wurden bei einer Renovierung im Jahr 1898 entfernt, da sie offenbar nicht mehr erhalten werden konnten.
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Flyer zur Josefskapelle in Mühlhausen
Ein herzliches Dankeschön
Die Zusammenstellung der historischen Informationen sowie die Bilder sind mit viel Zeit, Engagement und Mühe von Herrn Helmut Fluck und Herrn Edwin Häufle erarbeitet und zusammengestellt worden. Für diese wertvolle Arbeit und den großen Einsatz zur Bewahrung und Vermittlung unserer Ortsgeschichte bedanken wir uns ganz herzlich.